Makro-Regime: wie man die Anlagenmatrix liest
Die Matrix von Cap Nord kreuzt nicht Inflation und Wachstum. Sie kreuzt die beiden Achsen, die wirklich sortieren: den Realzins (der die defensiven Anlagen trennt) und den Markttrend (der die Aktien bestimmt). So liest man sie, das zeigt sie — und das tut sie nicht.
Weder Wachstum noch Inflation auferlegt
Denn dieses a priori auferlegte Raster sortiert nicht, was es zu sortieren vorgibt — wir haben es unter Test überprüft. Die Einzelheiten stehen in warum das klassische Raster nicht genügt. Wir behalten also eine Matrix, aber gebaut auf dem, was die Daten tatsächlich trennen.
Die beiden Achsen, die sortieren
Der Zinssatz nach Abzug der Inflation — was das Geld tatsächlich einbringt. Er stellt Gold den Finanzanlagen gegenüber: Ist er niedrig, gewinnt Gold relativ an Attraktivität; ist er hoch, gewinnen die Finanzanlagen wieder die Oberhand. Es ist ein Niveau, das die defensiven Anlagen sortiert, keine Prognose.
Der Kurs eines Marktes im Vergleich zu seinem langen Durchschnitt (über zehn Monate): darüber ist der Markt getragen; darunter ist er gebrochen. Aktien liest man an diesem Trend, nicht an der Makroökonomie.
- Achse 1 — der Realzins trennt klar den defensiven Block (Gold, Anleihen, Cash).
- Achse 2 — der Trend bestimmt die Aktien, die die Makroökonomie nicht sortiert.
Kreuzt man beide, ergeben sich vier Felder — nicht verordnet, sondern behalten, weil sie unter Test standhalten (und über die lange Historie ablesbar, bis zurück in die 1880er-Jahre auf den tiefen Märkten).
Wie man die Matrix liest
Jedes Feld zeigt das historische Verhalten der Anlagen anhand dreier ergänzender Maße:
Schnelle Lesart: Man verortet das Regime des Augenblicks (Realzins hoch/niedrig × Markt getragen/gebrochen) und beobachtet dann, was in diesem Feld historisch dominiert hat. Der Sortino zeigt dort zum Beispiel, dass Gold den defensiven Block dominiert, wenn der Realzins niedrig ist, und dass Cash ihn dominiert, wenn der Realzins hoch ist.

Die Kippbewegung liest man auf einen Blick. Cash ist die schlechteste Wahl, wenn der Realzins niedrig ist (−0,66), und der beste Zufluchtsort, wenn er hoch ist (+2,00 bis +2,85 — es fällt fast nicht); Gold macht es umgekehrt, wertvoll, wenn der Realzins niedrig ist. Die Aktien hängen nicht vom Realzins ab, sondern vom Trend: satt grün, wenn der Markt getragen ist, deutlich blasser, wenn er gebrochen ist. Die Makroökonomie sortiert sie nicht; ihr Trend schon.
In realer Rendite — in Kaufkraft — erzählt der defensive Block dieselbe Geschichte:
| Defensiver Block — reale Rendite p. a. | Zins niedrig · getragen | niedrig · gebrochen | hoch · getragen | hoch · gebrochen |
|---|---|---|---|---|
| Gold | +2,2 % | +7,5 % | +9,0 % | −3,4 % |
| 10Y-Anleihen | −0,5 % | +1,9 % | +4,7 % | +3,9 % |
| Cash (T-Bill) | −1,1 % | −1,2 % | +1,5 % | +1,6 % |
Was die Seite hinzufügt
Die obige Matrix ist eine Momentaufnahme. Die interaktive Regime-Seite geht weiter:
- Die vollständige Matrix „unsere Achsen“ — die drei Maße (CAGR / Sortino / MDD) je Anlage und Feld, mit Umschaltung zwischen nominaler und realer Basis.
- Der historische Chart — die lange Wertentwicklung der Anlagen (Basis 100), die Regime als Hintergrundbänder und die markierten Krisen, um zu sehen, wann man von einem Feld ins andere gewechselt ist.
Was diese Lesart nicht ist
- kein Trading-Signal, keine Prognose;
- keine personalisierte Allokationsempfehlung;
- kein Versprechen: Das vergangene Verhalten je Regime garantiert nichts.
Es ist ein deskriptiver Deutungsrahmen: den Kontext und das historische Verhalten der Anlagen einordnen, um mit einem Rahmen statt mit einer Emotion zu entscheiden.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Matrix kreuzt den Realzins und den Markttrend, nicht Inflation und Wachstum
- Der Realzins trennt den defensiven Block; der Trend bestimmt die Aktien
- Jedes Feld liest man an drei Maßen: CAGR, Sortino, maximaler Verlust
- Die Felder werden behalten, weil sie unter Test standhalten, nicht a priori verordnet
- Deskriptive und historische Lesart, niemals ein Signal oder eine Beratung
Zum Weiterlesen
- Die Cap-Nord-Methode — wie man die Märkte liest, ohne sie vorherzusagen.
- Warum das klassische Raster nicht genügt — die Kritik an den Quadranten Wachstum × Inflation.
- Volatilität ist nicht Risiko — warum Verluste mehr zählen als die Ausschläge.
Die Regime-Karte entdecken
Methode. Deskriptive Matrix, gemessen in USD (Vereinigte Staaten, acht Anlagen, 1871-2026). Kausale, zum Zeitpunkt bekannte Achsen: Realzins = Vorzeichen des realen 10-Jahres-Zinses gegenüber seinem langen Durchschnitt (hoch/niedrig); Trend = Aktien über/unter ihrem Zehn-Monats-Durchschnitt (getragen/gebrochen), um einen Monat versetzt. Rangfolge nach realem Sortino (Rendite allein im Verhältnis zu den Rückgängen, Schwelle = Erhalt der Kaufkraft); Renditen um die Inflation bereinigt. Matrix induktiv abgeleitet aus öffentlichen Daten (Indikatoren der Weltbank, der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), lange Marktreihen), durch die interne Pipeline transformiert — keine rohe Drittanbieterreihe reproduziert. Historische und deskriptive Ergebnisse; die Vergangenheit lässt keinen Schluss auf die Zukunft zu.